Freitag, 17. November 2017

Propinoduto - hier fließt das kriminelle Trinkgeld

Das portugiesische Wort "propina" habe ich bereits vorgestellt. "Propina" ist Trinkgeld. Bestechungsgeld nennt man in Brasilien euphemistisch auch "propina". Es gibt mehrere Skandale in diesem Land, bei dem das "propina" in Strömen geflossen ist. Deshalb hat der Volksmund wohl das Wort "propinoduto" erfunden, das elegant das Wort "aqueduto" (Aquädukt), also der Wasserzufuhr über Kanäle, mit dem Wort "propina" verbindet.
In Rio de Janeiro gibt es zur Zeit einen "Escândalo do Propinoduto", wobei das Wort "escândalo" leicht zu erraten "Skandal" bedeutet. In diesem Fall waren Politiker und Staatsbedienstete des Bundesstaates in einen Bestechungsskandal verwickelt, beim dem das Bestechungsgeld wohl reichlich floss. 

Samstag, 21. Oktober 2017

Ração humana - seltsame Hungerbekämpfung

"Ração humana" scheint eine neue Wortschöpfung zu sein, die aus Sao Paulo stammt. Eigentlich heißt das wörtlich übersetzt "menschliche Ration". Hört sich rätselhaft an. Es geht um Ernährung. Seit neuestem leiden viele Brasilianer wieder Hunger und die Stadtverwaltung von Sao Paulo hat deshalb ein neues Gebäck -zumindest verstehe ich das so - kreiert, das bei der Hungerbekämpfung helfen soll. Es soll etwas mit "farinata" (farina = Mehl) zu tun haben. Es wird erklärt es handle sich um ein "granulado nutritivo", was ich mit "Granulat mit Ernährungswert" übersetzen würde, das man den Hauptspeisen beifügen könne. Brasilianische Ernährungswissenschaftler halten von dieser Art der Hungerbekämpfung aber gar nichts.

Dienstag, 25. April 2017

Reforma da Previdência - das brasilianische Rentenproblem

"Reforma" ist - leicht zu erraten - eine "Reform". Unter "Previdencia" versteht man "Rentenversicherung". Die Reform der Rentenversicherung ist zur Zeit das große Thema in Brasilien. Die Regierung will die Zuschüsse zur Rentenversicherung streichen. Die derzeitige Regierung behauptet, dass ohne die Reform Brasilien in Kürze kein Geld mehr habe, um die Gehälter der Staatsbeschäftigten, der Rentner und Sozialhilfeempfänger zu bezahlen.

Sonntag, 2. April 2017

Grileiro - ein typisch brasilianisches Phänomen

Als "Grileiro" wird in Brasilien ein Mensch bezeichnet, der Dokumente fälscht, um illegal in den Besitz von Grund und Boden das dem Staat oder Dritten gehört zu kommen. Das was der "grileiro" da tut wird "grilagem" genannt, was man mit "Landraub" übersetzen kann. Diese Methode ist in Brasilien sehr beliebt und einige haben sich damit erheblich bereichert. Sehr beliebt ist es, Territorien Indigener auf diese Art zu stehlen. Das brasilianische Agrarbusiness ist tief in diese kriminellen Machenschaften verstrickt, kann aber auf ausreichend politische Unterstützung hoffen, um dafür nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Mittwoch, 15. März 2017

Departamento de propinas - die Spezialabteilung der Baufirma Odebrecht

Unter "propina" versteht man in Brasilien Trinkgeld. Im großen Umfang getätigt wird dann "propina" aber zu einer Schmiergeldzahlung. In Brasilien gibt es ja die Neigung manche schlimmen Sachen zu verniedlichen, insofern ist die Verwendung von "propina" verständlich. Zur Zeit gibt es einen Skandal um die Baufirma Odebrecht, die massenhaft Politiker in Brasilien und Südamerika bestochen hat, um an lukrative Aufträge zu kommen. Jetzt ist herausgekommen, dass Odebrecht ein eigenes "departamento de propinas" unterhalten hat, was man, um bei der Verniedlichung zu bleiben, als "Trinkgeldabteilung" übersetzen könnte. Tatsächlich war es aber die Abteilung für Korruptionszahlungen.

Mittwoch, 1. Februar 2017

Pichadores, muralistas, grafiteiros - Kunst, die aus dem Rahmen fällt

Unter "pichador" auch "pixador" geschrieben, versteht man wohl - die Wörterbücher sind noch schweigsam zu diesem Begriff - einen Menschen, der Wände mit in der Regel politischen Parolen beschreibt. Ein "muralista" neigt eher zum Bemalen öffentlicher Flächen, während der "gafiteiro" inzwischen als Grafittikünstler sich ein gewisses Renomée verschafft hat. Die Stadt São Paulo hat inzwischen den "pichadores" den Kampf angesagt, die poltischen Parolen passen dem neuen Oberbürgermeister der Stadt nicht. Die Strafen sollen deshalb verschärft werden.
"Muralistas" und "grafiteiros" will man dagegen weiterhin gewähren lassen.

Montag, 26. Dezember 2016

Lei das teles - Pirvatisierung auf Brasilianisch

"Lei das teles" ist die Kurzform eine Gesetzentwurfes, der sich mit vollem Wortlaut "Lei Geral de Telecomunicações". Letzteres bedeutet "Allgemeines Gesetz über die Telekommunikation". In ihm wird die Möglichkeite zu mehr Privatisierungen im Telekommunikationsbereich eröffnet. Der Gesetzentwurf ist heftig umstritten, vor allem weil die Regierung versucht, ihn noch bis zum Ende des Jahres bei möglichst geringer Beteiligung des Parlaments durch das Gesetzgebungsverfahren zu prügeln.

Samstag, 5. November 2016

Cassetete de madeira - damit sollen straffällige Jugendliche erzogen werden

Ein "cassetete de madeira" ist ein "Holzprügel". Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul (MS) ist man der Ansicht, dass dieses Instrument ein gutes Erziehungsmittel bei Jugendlichen in Gefängnissen ist. Die Verantwortlichen nennen die "cassetete de madeira" ein "“instrumento socioeducador”, also ein "sozialerzieherisches Instrument" und sie sind auch noch stolz auf diese Erkenntnis. Im brasilianischen Hinterland hinkt man noch weit hinter der Entwicklung in der modernen Erziehungswissenschaft hinterher. Allerdings hat jetzt die Menschenrechtskommission diese Erziehungsmethode als das benannt, was sie tatsächlich ist: Eine "tortura", ein "Folter".

Samstag, 15. Oktober 2016

Teto de gastos - brasilianische Regierung will Schuldenbremse

"Teto de gastos" bedeutet so etwas wie "Deckelung der Ausgaben". Im politischen Jargon kann man das auch als "Schuldenbremse" bezeichnen. Nachdem die bisherige Amtsinhaberin Dilma Rousseff in einem fragwürdigen Verfahren ihres Amtes enthoben worden war, versucht ihr Nachfolger Temer mit dem Gesetzentwurf PEC 241 eine solche Schuldenbremse einzuführen. Mit dem PEC 241 soll die Verfassung insoweit geändert werden, dass ein "teto de gastos" für die nächsten 20 Jahre festgeschrieben wird.